15Aug 2016

seth abderhalden gedenkführe

Autor: jürgen

DSC01298_webdie seth abterhalden in der südwand des grossen drusenturms, schon etliches hatte ich darüber gehört, zuletzt wurde vor einigen jahren eine aufgeheizte disskussion über eine geplante sanierung geführt. erstbegangen 1958 von Seth Abderhalden & Peter Diener, bewertet mit 6 A2. so eine tour war damals die obergrenze dessen was mit der ausrüstung überhaupt machbar war. 2009 wurde die route von reinhard sperger und beat kammerlander RESTAURIERT und mit 6+ bei einer freien begehung bewertet. restauriert heisst in diesem fall dass die alten normalhaken nachgeschlagen, teilweise ersetzt, die stände verbessert wurden und etwas geröll aus der route geräumt wurde. eine mords arbeit, die nur jemand mit einer gehörigen portion idealismus auf sich nimmt, danke!

jedenfalls machten wir uns nach einer etwas unruhigen nacht auf den grüscher älpli auf zum drusenturm. um etwa 8 uhr fingen wir an zu klettern und die ersten, noch relativ gutmütigen seillängen gingen rasch vorbei. in der 6. seillänge dachte ich noch sogar „wenn das ein sechser ist könnte eine freie begehung möglich sein“. weit gefehlt. die 7. seilllänge: eine senkrechte, nasse verschneidung mit überhängendem moospolster zum abschluss, gleich im anschluss eine ebenfalls nasse sand-/geröllrine. daniel im vorstieg, zitat: „das grausigste alpinerlebnis seit ich klettere“. dann der erste kamin, zumindest nur teilweise nass, ich im vorstieg. mangels erfahrung mit dieser art von kletterei eher nicht so ökonomisch unterwegs, ausserdem fühlt sich ein 5+ wie ein 6+ an. wilde flüche unterbrechen die stille in der wand. die achte seillänge 6+: ein überhängender riss, teilweise brüchig. nach einer kurzen verschnaufpause stehen wir vor der zehnten: ein nasser überhängender 40m kamin. im topo steht: „Am Ende des Kamins, kann ein Camelot Nr. 5 oder ein Trango Big Bros Nr.: 4 platziert werden. Sonst ist der Ausstieg vom Kamin, 8 Meter über der letzten Sicherung zu schaffen“ Wir haben natürlich keinen big bros oder ähnliches. DSC01325_weberstmals denken wir an einen rückzug aber daniel der wilde hund fasst sich ein herz und schafft die seillänge, ohne 5er cam. im anschluss wieder eine geröllrinne mit „mobilem stand“ , nach langer suche im geröll finde ich einen kleinen klemmblock zum fädeln. dann einige meter klettern auf bemoostem fels. nach der relativ gut abgesicherten 14ten seillänge folgt zum abschluss nochmal ein nasser kamin, ganz dem charakter der tour entsprechend. 8 stunden kletterei liegen hinter uns,  noch 2 1/2 stunden abstieg vor uns.

mein persönliches fazit: wer wissen möchte wie sich ein sechser vor 50 jahren angefühlt hat, ist mit dieser tour gut beraten, ein ausflug ins alpinmuseum sozusagen. höchsten respekt vor den jungs die damals mit wesentlich schlechterer ausrüstung als heute in diese wand eingestiegen und durchgekommen sind.
eventuell werden die kamine nach einer langen trockenperiode auch trocken, was die sache sicherlich angenehmer macht, trotzdem sollte das persönliche limit eines wiederholers dieser tour auch wenn klassisch geklettert wird, wesentlich höher liegen als 6+, das ist mein eindruck.

Link zum Topo

Tags: , ,

Kommentar