6Okt 2013

großglockner „stüdlgrat“

Autor: zimmsi

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bald ist wieder wochenende und matthias kündigte schon sehr früh an, dass er an diesem wochenende frei hat und zeit hätte etwas zu unternehmen.
da wir bei unseren letzten unternehmungen immer etwas pech mit dem wetter hatten, warteten wir bis zum ende der woche um unser ziel festzulegen.
am donnerstag war das ziel dann fix: der großglockner über den stüdlgrat.

nur das wetter ist wieder relativ unsicher. von freitag bis samstag später nachmittag soll es jedoch noch ein schönwetterfenster geben. daher entschieden wir uns schon am freitag über lienz zum lucknerhaus hinauf zu fahren und von dort zur stüdlhütte aufzusteigen um am samstag den großglockner nieder zu reissen.

P1070358auf grund des genannten peches, wunderte es uns daher überhaupt nicht dass sich das wetter wieder nicht von der besten seite zeigte und so nahmen wir im regen den zustieg zur hütte nach dem sprichwort: „es gibt kein schlechtes wetter, es gibt nur schlechte ausrüstung“ auf uns.

auf grund der recht klaren nacht waren wir sehr guter dinge, dass es wettertechnisch klappen wird. um 05:30 gab es dann frühstück und gegen 06:15 machten wir uns auf den weg. da uns klar war dass es am grat selber auf grund des andranges oft zu unguten situationen kommt, war unser erstes ziel alle vor uns im dunkeln aufleuchtenden stirnlampen bis zum einstieg des grates zu überholen. bis auf eine seilschaft welche wir direkt am einstieg noch einholten und einer 3er seilschaft welche wir schon von weiter ferne im unteren teil des grates erblickten waren wir am anfang der kletterei vorne mit dabei. schnell zeigte sich dass die 3 männer offensichtlich im leichteren gelände schon einige probleme mit der orientierung und dem vorankommen hatten. so überholten wir diese mit einem schneidigen servus und übernahmen damit die führung am grat.

P1070411wir kamen recht schnell voran und erreichten gegen 8:00 uhr den sogenannten frühstücksplatz. die stimmung am grat war einzigartig. P1070398

von nun an wurde das gelände etwas winterlicher und damit auch etwas schwerer. so gingen wir an den schwereren stellen am laufenden seil. durch die vielzahl von eisenstangen welche überwiegend zum nachsichern verwendet werden, war der weg ziemlich klar. der gipfel wurde dann immer wieder von nebelschwaden umhüllt. so hatten wir nach dem erreichen des gipfels noch für kurze zeit einen offenen rundumblick bevor es endgültig zuzog. da wir den gipfel schon um 10:00 uhr erreichten, das wetter gegen alle prognosen jedoch immer schlechter wurde beschlossen wir uns für einen raschen abstieg über die normalroute vorbei an der adlersruhe. beim abstieg fing es dann auch schon an zu regnen. bei der stüdelhütte schnappten wir nur noch die zurückgelassenen sachen und stiegen weiter zum auto ab.

es war eine ausgesprochen tolle tour und vom wetter her hatten wir noch einmal richtig glück da ich jedoch viel in den bergen unterwegs bin, einige artikel und berichte lese und jetzt selber am glockner bzw. stüdlgrat unterwegs war habe ich noch einige kritische worte.

wir waren für solch eine tour gut vorbereitet. sowohl konditionell als auch von der erfahrung und der ausrüstung her.
es gibt jedoch zu denken, was für personen (ich nenne sie mal möchtegern bergsteiger) sich solche touren als ziel setzten und dabei mindestens eine der 3 erwähnten voraussetzung nicht erfüllen oder mitbringen. hier fehlt es den meisten personen massiv an der selbsteinschätzung. der wetterbericht hatte kein 100%ig gutes wetter prognostiziert. ab samstag nachmittag sollte es dann wesentlich schlechter werden. trotzdem beobachteten wir seilschaften, die schon in leichterem gelände überfordert waren, viel zu langsam vorwärts kamen oder überhaupt erst viel zu spät in diese tour eingestiegen sind. zeit ist sicherheit und wenn ich weiss, dass ich langsam bin, dann muss ich noch früher starten oder erst garnicht in eine solche tour einsteigen. zudem gerade im herbst wenn die verhältnisse schon sehr winterlich und daher um einiges anspruchsvoller sein können.

mindestens 8 der 10 seilschaften hinter uns sind vom wetter nicht mehr ganz so verschohnt worden. wenn da noch ermüdung oder mangelnde erfahrung dazu kommt, kann dies mit großer wahrscheinlichkeit zu gefährlichen situationen führen. dann sind wieder die bergretter gefragt welche deren eigenes leben riskieren und nach einigen regergen aus genau diesen gründen zu einer vielzahl von einsätzen am großglockner gerufen werden. fast jedes jahr gibt es allein an diesem berg todesopfer zu beklagen.

es kann immer und jedem etwas passieren. nur sollte man lernen sich selbst besser einzuschätzen.

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Ein Kommentar to “großglockner „stüdlgrat“”

  1. und wieder ein schöner artikel vom fleissigsten verfasser!
    und bezüglich der „möchtegern-bergsteiger“ kann ich dir voll und ganz zustimmen. vor allem in den „modetouren“ sieht man leider zu oft haarsträubendes verhalten, und das scheint eher die regel als die ausnahme zu sein.

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