15Mai 2013

Schlechtwetteralternative

Autor: matthias

P1050859 (800x600)Wer kennt das nicht?  man hat Zeit und Lust etwas zu unternehmen, aber das Wetter spielt nicht ganz mit. In unserem Fall will das heißen, dass wir anstatt in der Nähe, eigentlich nach Chamonix wollten. Da uns dort allerdings das Wetter auch zu unsicher war, suchten wir nach einer Alternative.  Irgendwo scheint ja immer die Sonne…oder so ähnlich. Alpenhauptkamm eher schlechtes Wetter, dann geht man halt weiter in den Süden. Und siehe da, im Aostatal versprechen die Meteorologen stabilere Bedingungen. Also Gran Paradiso über die Nordostwand hinauf und den Normalweg wieder hinunter…. und dann am Sonntag nochmal sowas Ähnliches.

Erst um 21:00h erreichten wir am Donnerstag den Parkplatz in Pont, dem Ende der Straße (die Bezeichnung „Ort“ wäre wirklich übertrieben) ins Valsavarenche. Um im Auto nicht an Sauerstoffmangel und schlechten Ausdünstungen des Kollegen zu verenden, ließen wir die Fenster einen Spalt offen. Der nachts aufkommende Regen fand somit auch seinen Weg ins Innere und nach diversen Abdichtungsversuchen durften wir auch ein bisschen schlafen. Nach einem guten Frühstück sattelten wir unsere nicht ganz so leichten Rucksäcke. Da wir von herunterkommenden Sportsgenossen erfuhren, dass der Schnee erst ca. 400Hm über dem Parkplatz begann, entschieden wir uns die Skischuhe auf den Rucksack zu verbannen und mit den Turnschuhen loszumarschieren.

Leichtfüßig genoßen wir das sich bessernde Wetter und die Begegnung mit einem Steinbock, der von unserer Anwesenheit extrem unbeeindruckt war.  Als Zwischenstation diente uns das Rifugio Vittorio Emanuele auf ca. 2700m. In seiner Form lässt sich dieses architektonische Meisterwerk irgendwo zwischen Raumstation und Coladose einordnen. Unsere Betten fanden sich direkt unter dem Dach. Aufrecht gehen war nicht drinnen und nach Öffnen des Notausganges herrschten sogar Bedingungen unter denen menschliche Wesen länger als einigen Minuten überleben können. Aber nach dem Grundsatz der „Einfachheit einer Schutzhütte“ hatte auch das seinen Charme. Für uns waren die ca. 120 Übernachtungsgäste und die damit verbundene Hektik eher ein Problem. Nach einem netten Abendessen in Gesellschaft eines Pärchens aus Val d’Isère beschlossen wir darum den Sonntag beim Klettern unten im Tal zu verbringen. Einer der Angestellten auf der Hütte gab uns dazu einige gute Tipps.

Samstag, 4:30h Tagwache: Hektik, gestresste Menschen, Stau vor dem Scheisshaus…… wenigstens hat es über Nacht abgekühlt. Die Bedingungen sind perfekt. In gut 2 Stunden sind wir beim Einstieg und die Wand präsentiert sich so, wie wir’s gehofft hatten. Perfekter Firn, so gut wie kein blankes Eis. Was dann folgt ist purer Genuss: Da wir nicht die Schnellsten waren, müssen wir nun auch nicht spuren und können genüsslich nach oben tigern. Im Anschluss an die eigentliche Wand folgt noch ein wunderschöner Grat über den man zum Gipfel gelangt. Dort sieht man dann, wo die ganzen Leute von heute morgen hin sind. Sie stehen am höhsten Punkt und versuchen, nachdem sie zum Teil eine Stunde angestanden sind, sich nicht gegenseitig hinunter zu schupsen. Von unserer Seite ist der Gipfel abweisend und über eine Scharte nur durch Klettern zu erreichen. Daniel lässt sich weich klopfen und gräbt die nackten Finger in den Schnee. Sozusagen durchs Hintertürchen dürfen wir dann auch noch die Madonna am Gipfel berühren. Die Abfahrt könnte besser nicht sein. Herrlicher Frühlingsschnee auf harter Unterlage. Daniel fährt einen ordentlichen, 176cm langen Ski und zeigt mir seine Heckansicht. Meine 161cm langen superleichten Ski sind wirklich besser als alle denken, aber Geschwindigkeit ist nicht so ihr Ding. Nach zwei etwas härteren Stürzen schalte ich einen Gang zurück – zum Wohle der Gesundheit und meiner rechten Schulter.

Zurück auf der Hütte gibts noch eine Stärkung und nachdem wir vor dem Einstieg in die Wand zufällig Bekannte von Daniel gekreuzt haben, sitzen wir noch mit Marika und Edi  in der Sonne, bevors runter zum Auto geht. Unterwegs treffen wir gefühlte 100000 Personen, die auf dem Weg zur Hütte sind. Wir haben prompt das Gefühl, mit dem vorzeitigen Abstieg die richtige Entscheidung getroffen zu haben.  Nachdem wir alles verstaut haben geht’s ahnungslos den Schildern nach ins Valgrisenche. Tatsächlich finden wir neben der Straße einen Klettergarten, den uns der nette Herr auf der Hütte empfohlen hat. Kletterer sind auch da, lassen uns ihr Topo abfotografieren und wir genießen eine ruhige Nacht auf dem Parkplatz direkt neben den Felsen.  Am Sonntag lassen wir uns von der Sonne wach küssen und genießen anschließend den unverschämt guten Fels. Zum Abschluss macht Daniel noch einen Riss. Das Objekt der Begierde ist wunderschön und hat Körbchengröße 6b…..

Alles in Allem ein paar geniale Tage. Bezüglich der Menschemassen kann ich nur sagen: die Berge sind doch für alle da, oder? Und wie wir gesehen haben, gibt es meist eine ruhige Alternative!

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7 Kommentare to “Schlechtwetteralternative”

  1. Heli sagt:
  2. Super Tour 🙂
    Gratuliere euch beiden.

  3. sau lässig!

  4. was man alles machen kann bei einem fenstertag, ich war auch schon einmal im sommer da unten, ist allerdings schon lange her.
    scheint auch bei schlecht wetter schön zu sein….

  5. esther sagt:
  6. super bilder!!! schaut echt super aus!

  7. dietmar sagt:
  8. muss man dort die ködel schneiden ????
    super tour…amachig…..gratuliere

  9. He didi! Knödl werdand überall gschnitta oder ganza is mul gnu! 😉

  10. martin sagt:
  11. a lässige Alternative 🙂 cool!

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